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Grundlagen3 Min. Lesezeit2025-12-15

EXC2 vs. EXC3: Was sich für die Schweißaufsicht konkret ändert

Der Wechsel von EXC2 auf EXC3 bedeutet mehr als einen höheren NDT-Prüfumfang. Was sich in der Dokumentation, Qualifikation und im Audit ändert — praxisnah erklärt.

Der Unterschied, der viele Betriebe überrascht

Viele Metallbau-Betriebe operieren jahrelang unter EXC2 — und bekommen irgendwann einen Auftrag, der EXC3 erfordert. Was dann folgt, ist oft Überraschung: EXC3 ist nicht "ein bisschen mehr EXC2". Es ist eine andere Liga an Anforderungen.

Dieser Artikel erklärt die konkreten Unterschiede aus der Perspektive der Schweißaufsicht.

1. Qualifikationsanforderung: Wer darf Schweißaufsicht sein?

EXC2: Als Schweißkoordinator zugelassen sind IWS (EWS), IWT (EWT) und IWE (EWE). Für einfache Verfahren in niedrigen Blechdicken reicht IWS aus.

EXC3: Ab EXC3 ist mindestens ein IWT oder IWE als verantwortlicher Schweißkoordinator Pflicht — für alle gängigen Schweißverfahren und Materialstärken. Ein IWS kann EXC3 nicht allein verantworten.

Was das bedeutet: Wer als IWS in einem Betrieb tätig ist, der auf EXC3 wechseln will, kann nicht mehr alleiniger Schweißkoordinator sein. Entweder wird ein IWT/IWE eingestellt, oder ein externer IWT/IWE übernimmt die Verantwortung.

2. NDT-Prüfumfang: Mehr als doppelt so viel

EXC2: 5–10 % der Stumpfnähte müssen durch ergänzende ZfP (MT, UT oder RT) geprüft werden — zusätzlich zur Sichtprüfung (VT 100 %).

EXC3: 10–20 % der Stumpfnähte, abhängig von Nahtgeometrie und Beanspruchungskategorie. Bei Kreuzstößen und bestimmten T-Stößen noch mehr.

Was das bedeutet: Der ZfP-Plan muss präziser werden. Welche Nähte werden geprüft? Durch wen? Mit welcher Methode? Diese Entscheidungen müssen dokumentiert und begründet sein.

3. WPS und WPQR: Strengere Abdeckungsanforderungen

EXC2: WPS müssen vorhanden sein. Die WPQR-Abdeckung nach ISO 15614-1 muss gegeben sein — Level 1 Qualifikationsbereich ist akzeptiert.

EXC3: Dieselbe Grundanforderung, aber: Level 2 Qualifikationsbereiche nach ISO 15614-1 werden angewendet — das bedeutet engere Gültigkeitsbereiche für Dicken, Materialgruppen und Schweißparameter. Mehr WPQR nötig, um dieselbe Produktion abzudecken.

4. Materialzertifikate: EN 10204 Typ wird wichtiger

EXC2: EN 10204 Typ 2.2 (Werksbescheinigung) ist in vielen Fällen akzeptabel.

EXC3: EN 10204 Typ 3.1 (Abnahmeprüfzeugnis mit werkseitiger Abnahme) ist für tragende Bauteile Pflicht. Das bedeutet: Bestellspezifikation für Materialien muss angepasst werden.

5. Änderungsdokumentation: Vollständiges Protokoll

EXC2: Grundlegende WPK-Dokumentation.

EXC3: Vollständiges Änderungsprotokoll aller WPK-Dokumente. Jede Änderung an WPS, Schweißerqualifikationen, ZfP-Plänen oder Verfahrensregistern muss dokumentiert werden — mit Datum, Verantwortlichkeit und Freigabe.

6. Was das für den Audit-Aufwand bedeutet

Ein EXC3-Audit dauert typischerweise länger als ein EXC2-Audit. Der Auditor prüft:

  • Qualifikationsnachweis des Schweißkoordinators (IWT/IWE)
  • Vollständigkeit der Änderungsdokumentation
  • ZfP-Plan und Nachweis der tatsächlichen Prüfquoten
  • WPQR-Abdeckung nach Level 2

Faustregel: Mit dem Wechsel von EXC2 auf EXC3 verdoppelt sich der Dokumentationsaufwand in der Vorbereitung — und die Fehlerquote bei der ersten Zertifizierung ist höher.

Fazit: EXC3 ist eine Investition

Betriebe, die auf EXC3 wechseln wollen, sollten das nicht auf Knopfdruck tun. Es braucht: die richtige Schweißaufsicht (IWT/IWE), angepasste WPS und WPQR, überarbeitete ZfP-Planung und eine robuste Dokumentationsstruktur.

Wer das systematisch angeht — und nicht erst eine Woche vor dem Audit — schafft den Wechsel ohne kritische Nichtkonformitäten.

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