EN 1090 Überwachungsaudit: Die 7 häufigsten Fehler — und wie du sie vermeidest
Diese 7 Nichtkonformitäten tauchen bei EN 1090-Überwachungsaudits am häufigsten auf. Mit konkreten Gegenmaßnahmen für Schweißaufsichtspersonen.
Was beim Überwachungsaudit geprüft wird
Ein EN 1090-Überwachungsaudit ist kein Gespräch über Qualitätssicherung — es ist eine Dokumentenprüfung. Der Auditor bewertet systematisch, ob das Werkseigene Produktionskontrollsystem (WPK) die Anforderungen der EN 1090-1 und der deklarierten Ausführungsklasse erfüllt.
Die gute Nachricht: Die häufigsten Nichtkonformitäten sind bekannt. Wer sie kennt, kann sich gezielt vorbereiten.
Fehler 1: Fehlende 6-Monats-Bestätigung bei Schweißerqualifikationen
Die häufigste Nichtkonformität überhaupt. ISO 9606-1 Klausel 9.1 fordert die schriftliche Bestätigung alle 6 Monate — viele Betriebe verlieren die Frist aus dem Blick.
Gegenmaßnahme: Fristmanagement-System einführen. Erinnerung 30 Tage vor Ablauf einstellen. Bei mehr als 5 Schweißern: digitales System verwenden.
Fehler 2: WPS ohne gültige WPQR als Grundlage
Eine Schweißanweisung (WPS) ohne zugrundeliegende Verfahrensprüfung (WPQR) ist nicht normkonform nach ISO 15609-1. Der Auditor prüft für jede WPS: Gibt es eine gültige WPQR, die den Geltungsbereich abdeckt?
Gegenmaßnahme: WPS-Register mit WPQR-Verknüpfung führen. Bei jeder neuen WPS prüfen: Deckt eine vorhandene WPQR das Verfahren, die Dicke und das Material ab?
Fehler 3: Schweißaufsicht ohne schriftliche Bestellung
ISO 14731 fordert, dass die verantwortliche Schweißaufsichtsperson schriftlich bestellt ist — mit klarer Aufgabenbeschreibung. Mündliche Beauftragung reicht nicht.
Gegenmaßnahme: Bestellungsschreiben erstellen mit: Name und Qualifikation der Schweißaufsicht, konkreter Aufgabenbeschreibung nach ISO 14731 Anhang B, Datum und Unterschrift der Geschäftsführung.
Fehler 4: ZfP-Prüfumfang nicht dokumentiert oder unterschritten
Viele Betriebe führen Prüfungen durch — dokumentieren aber nicht, ob der geplante Prüfumfang tatsächlich erreicht wurde. Für EXC2 sind 5–10 % der Stumpfnähte zu prüfen; für EXC3 10–20 %.
Gegenmaßnahme: ZfP-Plan vor Projektbeginn erstellen, tatsächlich geprüfte Nähte dokumentieren, Abweichungen vom Plan schriftlich begründen.
Fehler 5: NCR-Prozess nicht nachvollziehbar dokumentiert
Jeder Betrieb hat Nichtkonformitäten — das weiß auch der Auditor. Was er prüft: Gibt es einen dokumentierten Prozess? Werden NCRs erfasst, analysiert, behoben und die Maßnahmen verifiziert?
Gegenmaßnahme: NCR-Formular einführen mit: Beschreibung der Abweichung, Ursachenanalyse, Korrekturmaßnahme, Verifizierungsdatum und Verantwortlichkeit.
Fehler 6: Abgelaufene Schweißerqualifikationen im aktiven Einsatz
Nach 3 Jahren erlischt das ISO 9606-1-Zertifikat, wenn keine Verlängerungsprüfung stattgefunden hat. Viele Betriebe merken das erst, wenn der Auditor nachfragt.
Gegenmaßnahme: Qualifikationsregister mit Ablaufdaten pflegen. Erinnerung 90 Tage vor Ablauf einstellen — rechtzeitig genug für die Verlängerungsprüfung.
Fehler 7: Grundwerkstoff-Dokumentation unvollständig
Ab EXC3 sind EN 10204 Typ 3.1 Materialnachweise Pflicht — also werkseitige Abnahmeprüfzeugisse. Für EXC2 genügen 2.2-Prüfprotokolle oder 3.1-Zeugnisse. Was der Auditor prüft: Sind alle Zertifikate vorhanden und mit den Schweißnähten der Projekte verknüpft?
Gegenmaßnahme: Materialdokumentation pro Projekt führen. Schmelzennummern auf den Materialnachweisen mit den eingesetzten Blechen verknüpfen.
Fazit: Vorbereitung ist halbe Arbeit
Die meisten EN 1090-Nichtkonformitäten entstehen nicht durch mangelndes Fachwissen — sondern durch fehlende Organisation. Wer die Fristüberwachung systematisiert, WPS und WPQR verknüpft und den NCR-Prozess lebt, ist bei jedem Audit gut aufgestellt.
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